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Heidnische Kunst - Ausdruck der Lebensfreude

Auch heute im Zeitalter der modernen Wissenschaft beginnt die europäische Geschichte erst mit dem Aufkommen des Christentums. Die Zeit davor ist weitgehend in Dunkel gehüllt. Dies gilt auch für die Anfänge der Kunst. Zwischen 1960-1980 brachte die Astronomie Licht in die frühe Menschheitsgeschichte und somit Licht in unsere eigene Vergangenheit. So erfahren wir auch einiges über die Anfänge der europäischen Kunst. Aber nur sehr langsam kommen diese Wahrheiten an die Öffentlichkeit, bedenkt man, wieviele Jahrhunderte man die Menschen hinter das Licht geführt (belogen) hat. Die Beweisführung für die frühe Hochkultur unserer Vorfahren erfolgt über die Himmelskunde, denn die Himmelskunde als die älteste Wissenschaft spiegelt die Entwicklung des menschlichen Geistes und seine Gestaltungsfähigkeit. Die Darstellung der frühen Geisteswissenschaft ist also auch eine Darstellung der Kunstgeschichte.

Das Kapitel ist sehr umfangreich und vielschichtig, denn das Heidentum begrenzt sich keinesfalls auf die Menschen, die in der Heide gelebt haben ... oder auf die Frühzeit der Geschichte. Das Heidentum ist heute genauso gegenwärtig und begrenzt sich nicht auf das Wirken der kleinen, heidnischen Gemeinschaften. Das Heidentum ist viel mehr, als wir landesüblich erfahren. Es zeichnet sich aus durch eine ganz bestimmte Gesinnung und Wandlungsfähigkeit. Ich berichte hier von der G e s t a l t u n g s k r a f t des heidnischen Menschen, der zu jeder Zeit, heute wie damals, durch seine enge Beziehung zur Natur und aus Freude am Leben seinem Werk Gestalt gab: im Wort, im Bild und in der Musik. Eine im Stillen wirkende Kraft, abseits vom „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ (M. Heidegger), dafür in die Tiefe gehend, das Echte, Wahre und Rechte fördernd, die auf diese Weise durch Jahrtausende unsere Kultur geprägt hat und weiter prägen wird.

Ich weise auf einen geistes- und kunstgeschichtlichen Vorgang, der sich in vielleicht 100.000 Jahren vollzogen hat, beginnend mit der Holzzeit, der Steinzeit, darauf folgend die Bronzezeit, das Goldene Zeitalter, die Zeitenwende, die Dichtkunst und Gesänge im Mittelalter, die Kunst der Handwerker, des Instrumentenbaus. Ein Glanzpunkt heidnischer Kunst war die Gotik, die Kunst der freien, d.h. unabhängigen Maurer, der „Freimaurer“ ... später die Entwicklung in den Pantheismus von Goethe bis hin zur Deutschen Romantik, bis hin sogar in unsere Zeit, wo nun der ganze astrale (sternkundliche) und naturreligiöse Charakter der heidnischen Kultur zum Vorschein kommt durch die Erforschung der Sonnen- und Mondheiligtümer durch Astronomen und Mathematiker in ganz Europa, dem alten Germanien.

Das Thema ist auch deshalb vielschichtig, weil die Weiterentwicklung der Kunst durch das aufkommende Christentum eine notwendige Änderung erfahren hat. Man hat nicht nur die christlichen Kirchen auf alte, heidnische Plätze gebaut, sondern auch die alten, heidnischen Zeichen übernommen und ihren Sinn geändert. Die sogenannte „christliche Kunst“ ist genaugenommen ein P l a g i a t , das heißt, das als christliche Kunst Ausgegebene ist Diebstahl heidnischen Urhebertums. So ist z.B. der Tod am Kreuz nichts anderes als die Umdeutung der niedergehenden Wintersonne im viergeteilten Jahreskreis (Jahreskreuz), alles Leben stirbt ab und an Ostern folgt die Auferstehung der Frühlingssonne, die das neue Leben bringt. Nicht einmal das Kreuz ist von den Christen! Es ist ein uraltes, heidnisches Ideogramm, das auf der ganzen Erde verbreitet war tausende Jahre vor dem Aufkommen des Christentums. Es gibt also allenfalls eine Kunst von Menschen, die sich zum Christentum bekannt haben, denen die Kirche das damals einzig-mögliche Forum bot. Diese Menschen haben die alten Sinnbilder übernommen und umgedeutet. So wurde aus dem Zeichen des Kreuzes im christlichen Sinne das Zeichen des Leides. Die Erde wurde zum „Jammertal“. Mit der ideologischen Ausrichtung auf das sog. „Jenseits“ (dem Irgendwann und Irgendwo) durch die „Geistlichen“ wurde dem Leben überhaupt der Schwerpunkt genommen und „ins Nichts“ (F. Nietzsche) verlagert. Auf diese Weise wurden die Menschen systematisch entwurzelt und abgelenkt von den eigentlichen Aufgaben im Hier und Jetzt. Die Menschen mußten erst seelisch krank und dadurch erlösungsbedürftig gemacht werden, bevor das christliche Versprechen von Erlösung überhaupt greifen konnte. Und das geschah und geschieht bis heute durch Aberglaube, Lüge und Gewalt. Kann eine solche Grundlage, die das geistige Leben bedroht, überhaupt eine Kunst hervorbringen ?

Dann kam die Zeit der Verfolgung, der Kreuzzüge und der Inquisition. Im Namen des Kreuzes ging es „gegen den Gral“ (Otto Rahn), also gegen Kunst und Wissenschaft. In dieser Zeit der furchtbaren Not mußten Künstler und Wissenschaftler in den U n t e r g r u n d ausweichen. Die Menschen organisierten sich in geheimen Bünden und entwickelten eine Geheimschrift zur Verständigung untereinander. Die heidnischen Sinnbilder wurden also verschlüsselt, ver-kahlt, verhehlt dargestellt und auf diese versteckte Weise in die katholischen Kirchen (also beim Gegner !) eingebracht. Es entstand die Kunst der Verschlüsselung. Viele Künstler brachten so die alten Sinnbilder bewußt oder unbewußt versteckt in die vielen katholischen Kirchen ein. Und - es scheint paradox - so wurde mit der Zeit die katholische Kirche zum bedeutendsten Träger heidnischer Inhalte. Vor allem in den gotischen Domen finden sich unzählige Runen und Heilsglyphen. Jede Kirche ist eine Fundgrube für Heimatforscher.

Aus diesen Geheimzeichen entwickelten sich weitere Kunstrichtungen z.B. die Wappenkunst (Heraldik) zu einer perfekten Geheimschrift, die heute noch existiert, weil sie von den meisten Menschen nicht verstanden wird. So konnten die heidnischen Menschen ungefährdet ihre Gesinnung zum Ausdruck bringen: ihr Wissen um die Welt, ihre Freude an den Sinnen, ... aber auch ihre Sorge um die Nöte, ihren Protest gegen Tyrannei und ihre Bereitschaft dem Freund in der Not zu helfen.
- Die heidnische Kunst wurde zur Ausdrucksform der Philosophie und Religion.
- Es war auch naheliegend, diese Inhalte in die Musik einzubringen. Seit Johannes Kepler die mathematische Grundlage der Planetenbahnen beschrieben hatte, entdeckte man auch die Beziehung der Planetenabstände zu den Tonreihen der Musik. Damit wurde die Verbindung wieder hergestellt zur Kosmologie, die seit Ende der Gotik abgerissen war.

Der heidnische Geist kam oft in Bedrängnis. Vielleicht bezog er hieraus seine Kraft und Bedeutung. Aus der Not im Mittelalter entwickelte er die Kunst der Troubadoure und Minnesänger und später durch Hans Sachs die Meistergesänge. Wiederum äußerte sich der germanisch-heidnische Geist in Dichtung und Gesang, so wie es Tacitus beschrieben hatte. Keine Sprache der Erde überliefert so viele Ausdrücke aus dem Reich der Töne wie die deutsche Sprache: singen, klingen, schwingen, gellen, blasen, Laut, Lied, Jubel, Tanz, Saite, Weise, Fidel, Geige, Harfe, Horn, Pfeife, Pauke, tönen, schwirren, girren, brummen, summen ... Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaft bekam der heidnische Geist neue Impulse. Wahre Kunst war immer eine Ausdrucksform der Philosophie und Religion. Sie wandelte sich zu jeder Zeit, wurde immer schöner, immer vollkommener. Hermann Dörr übersetzt das Wort „Kunst“ mit „Kunde geben“. Der Künstler trat mit seinem Werk ein für eine bestimmte G e s i n n u n g, indem er z.B. die Schönheit der Natur zur Darstellung brachte als Kontrast zu einer materialistischen Anschauung, die nur Geld und Profit gelten lassen kann. Oder sie brachte die Ungerechtigkeit unter den Menschen zur Darstellung als Hinweis auf fehlende Rechtspflege, oft nur das Gefühl der Menschen ansprechend. In diesem Wandel der Zeit blieb sich das Heidentum immer treu in dem Anliegen auf menschenwürdiges Dasein und stand - oft unausgesprochen - immer im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit und somit des Guten und Schönen.

Auch der Pantheismus des Johann Wolfgang von Goethe war eine Neugeburt des Heidentums so wie die Deutsche Romantik allgemein. Künstler und Philosophen wie Francois-Marie Voltaire, Friedrich Hölderlin, Friedrich von Schiller lehrten trotz Anfeindung die Ideale vom freien Menschen, f r e i von jeder Mode und frei von jedem aufgezwungenen Zeitgeist aus Politik, Gesellschaft und Religion. Sie lehrten die Selbstbestimmung, jene uralte Forderung, seit es Menschen gibt. Ulrich von Hutten, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Richard Wagner, Mathilde Ludendorff, Martin Heidegger, Walter Sommer, Hermann Dörr (Düsseldorf), ... und nicht zu vergessen die vielen Namenlosen. Sie waren und sind die Hüter des Grals ... uns zum Vorbild ! So gesehen ist dieser heidnische Geist die eigentlich gestaltende Kraft in der Kulturentwicklung der Völker, die inzwischen viele Wege des „Kunde-Gebens“ gefunden hat und auch künftig neue Wege finden wird.

Literatur: 1) Karheinz Deschner „Die Kriminalgeschichte des Christentums“, Rowohlt-Verlag Hamburg 2) Infos 12, 13, 14, 15, 30, 31 und 32, ferner: 3) Karlheinz Baumgartl „Der Teil des Ganzen“ (1980), Kosmologie, Philosophie, 81 Seiten, im Eigenverlag

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